Proben für die letzte Show "Die Dokumentation 'Proben für die letzte Show' von Susanne Fasbender begleitet das Ensemble des Jungen Staatstheaters Düsseldorf während der Proben des Jugendstücks 'Die letzte Show' von Lutz Hübner. Das Theaterstück erzählt die Geschichte von Emilia, einem jungen, ehrgeizigen Mädchen, das von ihrer tödlich verunglückten Tante Ada zur Alleinerbin eingesetzt wurde und deshalb für eine Nacht nach Berlin fährt, um den Hausstand aufzulösen. Dafür übernachtet sie in der Kreuzberger Wohnung, die voller Hinterlassenschaften eines bewegten Lebens ist: Flower Power, Glamrock, Eighties. Tante Ada hat sich mit Leidenschaft ins pralle Leben gestürzt, das genaue Gegenteil von Emilia, die an Versagensängsten und Schulstress leidet, leistungsorientiert ist und sich an eine verfahrene Beziehung klammert. Das wird deutlich, als Ada ihr im Traum erscheint. Für Emilia beginnt eine Höllenfahrt durch ihre Ängste: eine Show von durchgedrehten Prüfern, Schönheitschirurgie, ein kaltherziger Freund, eine überforderte Mutter, verdrängte Selbstmordgedanken manifestieren sich. Dagegen steht Tante Ada mit ihren Idealen eines selbstbestimmten Lebens, ihren zahlreichen Liebesaffären und einem vollständigen Mangel an beruflichem Ehrgeiz. Emilia kämpft sich frei und die nächtliche Begegnung mit einem Pizzaboten lässt sie erkennen, dass es eine unendliche Vielfalt legitimer Lebensmodelle gibt. Als der Morgen kommt, beschließt Emilia, sich Zeit zu lassen, erst mal in Berlin zu bleiben und zu sehen, was sie aus ihrem Leben machen will. Der Film erzählt nicht das Stück, er ist keine Theaterdokumentation im herkömmlichen Sinn. Vielmehr erleben wir, parallel zu den Figuren des Theaterstücks, wie das Ensemble versucht, ein Bild für diesen surrealen Traum zu finden und die Textvorlage mit Bühnenleben zu füllen. Wie stellt man Träume dar, wie findet man den Zustand der Figuren und setzt sie in Beziehung zu eigenen Erfahrungen. Schnitte von Leseprobe zu Probe zur Vorstellung zeigen die Strecken, die das Ensemble zurücklegt, Trial and Error, Sackgassen, Variationen und Momente, in denen auf einmal alles stimmt. Dabei kommt der Zuschauer den Schauspielern sehr nah, ohne zum Voyeur zu werden, vielmehr zeigt der Film mit großem Respekt und Einfühlung, wieviel Zeit und gedankliche Leistung, von der Improvisation bis zur dramaturgischen Überprüfung und Recherche, nötig ist, um auch nur eine flüchtige Minute Theater zu finden und zu erfinden. Der Film zeigt, was das Theater ist: eine Konstruktion mit den Mitteln der Inspiration, für die Beherrschung des Handwerks, Geduld und Training ebenso wichtig sind wie Leichtigkeit, Teamgeist und Spielfreude. Lutz Hübner <<<
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